Niko Kovac: SPORT1 Interview über Hansi Flick und FC Bayern München

Niko Kovac - AS Monaco - Copyright Quelle: Imago
Niko Kovac – AS Monaco – Copyright Quelle: Imago

Niko Kovac über seinen eigenen Beitrag zu den sechs Titel der Münchner:

„Mein Anteil bewegt sich allerhöchstens im Promille-Bereich, weil wir in drei Champions-League-Spielen neun Punkte geholt haben und auf einem guten Weg waren.“

19.02.2021 – PM Sport1 / ZEPPI / Frank Zepp:

Niko Kovac, aktueller Coach des AS Monaco, spricht im exklusiven SPORT1 Interview über das anstehende Duell seiner Ex-Klubs Eintracht Frankfurt und FC Bayern München, seinen erfolgreichen Trainer-Nachfolger beim FC Bayern München, Hansi Flick, und Monacos Starspieler Cesc Fabregas. Das komplette Interview im Folgenden:

SPORT1: Herr Kovac, handhaben Sie in Monaco gewisse Dinge als Trainer anders als in München oder Frankfurt?

Niko Kovac: Jeder Mensch lernt tagtäglich dazu. Ich möchte mich von Tag zu Tag steigern. Sachen, die gut waren, behalte ich bei und stärke sie. Was nicht gut war, versuche ich in die richtige Richtung zu drücken. Aus meiner Zeit in der Bundesliga habe ich viel mitgenommen. Es wurden viele Sachen erzählt, aber ich weiß, wie ich in Frankfurt und in München war. In Frankfurt war meine Arbeit erfolgreich und in München ebenso. Vier Titel in zwei Jahren sind der Beleg dafür.

SPORT1: Bevor wir über Ihre Ex-Vereine sprechen: Sie werden im Oktober 50. Wie blicken Sie auf diesen runden Geburtstag?

Niko Kovac: 50 ist eine besondere Zahl, das heißt aber nicht, dass ich mich wie 50 fühle, denn ich fühle mich wirklich jung und bin gesund, meine Familie auch. Das ist wichtig für mich. Ich bin motiviert, mir macht die Arbeit als Trainer Spaß und wenn ich Spaß habe, kann ich erfolgreich sein und die Qualitäten, die ich ohne Zweifel habe, auch zeigen.

SPORT1: Im vergangenen Jahr sind Sie an Corona erkrankt.

Niko Kovac: Ich weiß, dass ich alles getan habe, um mich nicht mit dem Virus zu infizieren. Wie mein Trainerteam auch. Man kann das Virus nicht sehen oder riechen, mich hat es trotzdem erwischt, die anderen Jungs in der Kabine nicht – das war etwas merkwürdig, zumal wir die ganze Zeit zusammen waren. Ich hatte Gott sei Dank so gut wie keine Symptome. Ich kenne jedoch viele, die stärkere Symptome hatten. Man darf damit nicht spaßen und diese Krankheit auf die leichte Schulter nehmen. In der Gesellschaft gibt es einige Menschen, die Corona verharmlosen oder negieren.

SPORT1: Am Samstag steigt in der Bundesliga das Topspiel zwischen Ihren beiden Ex-Vereinen. Werden Sie es verfolgen?

Kovac: Wir sind zu dieser Zeit im Flieger, weil wir am späten Nachmittag nach Paris reisen. Ich werde mir das Spiel eher in der Nachberichterstattung anschauen.

SPORT1: Ihr Tipp?

Kovac: Frankfurt ist gut drauf, die Bayern aber auch. Für die SGE wird es schwer. Ein Ergebnis wie das 5:1 am 2. November 2019 kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin für ein Unentschieden.

SPORT1: Trauen Sie der Eintracht in dieser Saison den Sprung in die Königsklasse zu?

Kovac: Ja, der Einzug in die Champions League ist möglich! Ein ganz wichtiger Faktor ist, dass die Eintracht das erste Mal seit zwei Jahren nicht in der Europa League unterwegs ist. Es ist für einen Trainer und die Mannschaft von großer Bedeutung, wenn man von Woche für Woche im physischen und taktischen Bereich arbeiten und Automatismen einstudieren kann und für das Wochenende gut erholt ist. Fredi Bobic, Adi Hütter und Bruno Hübner haben kontinuierlich gut gearbeitet und gewirtschaftet. Man sieht: Lässt man die Menschen im Klub in Ruhe gut arbeiten und sich nicht vom Weg abbringen, dann kann man viel erreichen und aufbauen. Generell glaube ich, dass es in dieser Saison in der Bundesliga ein Stühlerücken geben kann. Frankfurt, auch Wolfsburg, können davon profitieren.

SPORT1: Filip Kostic ist wieder bei alter Stärke. Wollten Sie ihn im vergangenen Sommer nach Monaco holen?

Kovac: Filip Kostic ist ein toller Spieler, der jeder Mannschaft hilft, aber er war kein Thema für uns und ich habe auch keine Gespräche mit Fredi Bobic geführt. Wir hatten auf seiner Position auch schon zwei 23-Jährige und in der heutigen Zeit kann man nicht mehr so viel Geld ausgeben. Wir haben in Frankreich das Problem mit den TV-Geldern, die Hälfte der Einnahmen ist weggebrochen. Filip ist 28, die Eintracht – so war zu lesen – wollte viel Geld, was für einen Spieler wie Kostic okay ist. Aber das ist nicht unsere Prämisse bei Monaco: Wir wollen mit jungen und talentierten Spielern arbeiten und sie entwickeln und wenn sie den Klub verlassen, fangen wir wieder von vorne an.

SPORT1: Wann standen Sie zuletzt mit Luka Jovic in Kontakt?

Kovac: Ich haben ihn 2019 auf der USA-Reise mit dem FC Bayern getroffen. Dort haben wir 3:1 gegen Real Madrid gewonnen und ich habe mich mit ihm ausgetauscht. Ich habe bereits vorher gesagt, dass Luka ein toller Spieler ist, der sich bei guter Weiterentwicklung einem großen Klub anschließen wird. Das hat er getan und ist zu Real Madrid gewechselt. Aber er ist noch jung. Dass er bei Real nicht so eingeschlagen hat, wie er sich das vorgestellt hat, kann passieren. Luka wird bei Real wieder kommen, seine Chance erhalten und nutzen.

SPORT1: In Frankfurt bleiben nicht nur Ihre Erfolge, auch Ihr damals formuliertes „Stand jetzt” ist im Umfeld der SGE weiterhin präsent. Vor allem in den sozialen Medien …

Kovac: Als ich damals gesagt habe „Stand jetzt”, da war es auch „Stand jetzt”. Man hat jetzt ähnliche Fälle in der Bundesliga, mit Marco Rose und Fredi Bobic. Es ist leicht, auf Menschen zu zeigen, wenn man nicht selbst in so einer Situation ist. Ich halte übrigens nichts von den sozialen Medien, denn dort geht es in die falsche Richtung. Jeder kann sich da zu allem äußern und sich verstecken. Das bringt nichts. Wir sollten zusehen, dass wir gut miteinander auskommen, vernünftig miteinander kommunizieren und anderen gegenüber Respekt zeigen.

SPORT1: Lassen Sie uns über den FC Bayern sprechen. Haben Sie einen Anteil am Sextuple? In der Gruppenphase der Champions League war die Mannschaft bis zu Ihrem Aus ungeschlagen.

Kovac: Nein. Mein Anteil bewegt sich allerhöchstens im Promille-Bereich, weil wir in drei Champions-League-Spielen neun Punkte geholt haben und auf einem guten Weg waren. Hansi hat es aber sehr gut zu Ende gebracht.

SPORT1: Wäre Hansi Flick für Sie der verdiente Welttrainer gewesen?

Kovac: Wenn man sich anschaut, was er erreicht hat, dann natürlich. Da gibt es für mich keine zwei Meinungen. Denn was Hansi geleistet hat, ist sensationell. Das wird in dieser Form so schnell nicht noch einmal passieren. Ich glaube sogar, dass es in Deutschland niemanden mehr gelingen wird, eher in Spanien oder England. Daher hätte es Hansi ohne Wenn und Aber verdient, Welttrainer zu sein. Ich habe zu Hansi auch weiterhin einen sehr guten Kontakt und einen regen Austausch. Ich bin einer, der ihm alles gönnt. Hansi hat sich all das mit seiner Qualität und Akribie verdient.

SPORT1: Sind Sie enttäuscht darüber, dass Spieler wie Rafinha oder Ivan Perisic nach Ihrem Aus in Interviews verbal nachgetreten haben?

Kovac: Wissen Sie, was ich gelernt habe? Dass es immer zwei Wahrheiten gibt. Jeder hat seine eigene Wahrnehmung und als Journalist sollte man versuchen, beide Seiten zu hören und nicht nur einseitig zu schreiben. Dabei möchte ich es belassen. Ich weiß, wie es war.

SPORT1: Über ihn müssen wir noch sprechen: Cesc Fabregas. Wie läuft die Zusammenarbeit in Monaco?

Kovac: Er ist ein Weltstar, der das aber nicht zeigt. Er ist ein toller Typ, sehr bodenständig, familiär und zurückhaltend, fast introvertiert. Sich im Hintergrund zu halten, obwohl man so einen Bekanntheitsgrad hat und so erfolgreich war, so stelle ich mir das vor. Das ist top. Großes Kino.

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