Fußball Bundesliga Neustart – Ein fatales Signal

Fußball Bundesliga Neustart – Ein fatales Signal – Quelle: pexels
Fußball Bundesliga Neustart – Ein fatales Signal – Quelle: pexels

Nicht nur im Profi-Geschäft Fußball Bundesliga sondern auch in unserer freiheitlichen Gesellschaft gilt die bekannte Volksweisheit: Geld regiert die Welt!

Die deutsche Politik mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer werden dem geschickten Lobbyismus der Deutschen Fußball Liga (DFL) sowie einiger Medien nachgeben müssen, um den Neustart mit Geisterspielen der mit überschaubarer wirtschaftlicher Bedeutung agierenden Fußball-Liga zu genehmigen.

Damit wird gesellschaftspolitisch gegenüber anderen Wirtschafts-Branchen, Sportvereinen, Kinder und Jugendlichen, ärmeren sowie älteren Menschen, die viel erheblicher und existenzieller von der Corona Pandemie betroffen sind, ein fatales unsolidarisches Signal gesetzt.

Wie viele andere nationale und internationale Ligen zuvor, wäre der Abbruch der Saison von der ersten bis zur dritten Fußball-Liga die richtige Entscheidung aus gesundheitspolitischen und hygienischen Gründen.

Ein Kommentar von SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp.

05.05.2020 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Dabei muss sich die Fußball Bundesliga mit der „Speerspitze“ DFL mit genügend Problemen durch Corona und eigener wirtschaftlicher sowie Vereins-Management-Fehler herum schlagen. Scheinbar gute Argumente für den Neustart der Beletage wurden gefunden.

Ist die deutsche Fußball Bundesliga wirtschaftlich gesund ?

Diese Frage ist eher zu bezweifeln als eindeutig mit Ja zu beantworten. Wenn die Nicht-Durchführung von 9 Spieltagen mehrere Bundesliga-Vereine an den Rand des wirtschaftlichen Überlebens oder gar der Insolvenz bringen, dann ist im kapitalintensiven System Profi-Fußball in den vergangenen Jahren etwas falsch gelaufen. Astronomische Ablösesummen bei Vereinswechseln, mega überhöhte Spieler-Gehälter oder ständig steigende TV-Rechte-Preise sind systemimmanente Fehler im deutschen und internationalen Fußball-Alltag. Wenn die Fußball-Liga unbedingt die letzte Rate der Fernseh-Gelder zum „Überleben“ benötigt, dann ist das System mehr als brüchig. Zudem sollte die Außendarstellung und maßlose wie mediale Überhöhung der Bundesliga nach der Corona Pandemie überdacht werden. Goldene Steaks und eingeflogene Friseure zeugen auch nicht von sportlicher Bodenhaftung!

Fußball-Profi ist kein systemrelevanter Beruf

Selbst der „Fußball-Methusalem“ Willi Lemke, ehemaliger Aufsichtsrat und Manager von Werder Bremen, sagte am vergangenen Sonntag bei Sport1: „Es ist eine schwierige Frage, wenn ich höre, dass der Fußball-Spieler ein systemrelevanter Beruf ist, vergleichbar mit einem Arzt und einer Krankenschwester, komme ich ins Grübeln … Wenn ich objektiv bin, würde ich das schwer in Frage stellen.“

Fußball und Normalität – ein Widerspruch

Die weltweite Zugkraft des Fußballs ist unbestritten. Kann das runde Leder in Corona Zeiten beruhigend auf die Bevölkerung wirken und ein Stück des Alltags zurück bringen? Ein klares Nein! Denn Geisterspiele täuschen nicht einmal Normalität vor, sondern zeigen vor allem anschaulich den Fernseh-Kiekern, wie abnorm diese Zustände wirklich sind.

Hygiene und Quarantäne

Hierfür entwarf eine medizinische Taskforce der DFL einen umfangreichen, 41 Seiten umfassenden Hygieneplan, der unter Virologen und Gesundheits-Experten umstritten ist sowie auch nicht den allgemeinen Corona-Vorschriften für alle Bürger entspricht:

Umfangreiche Tests, personalisierte Getränkeflaschen, kein gemeinsames Einlaufen, keine Mannschaftsfotos, mehr Kabinen, einheitliche Raumtemperatur in den Hotels und die Spieler putzen ihre Schuhe höchst selbst.

Im Widerspruch zu den allgemeinen Corona-Verhaltens-Regeln steht folgendes aus dem DFL-Konzept: Wenn sich zum Beispiel ein Spieler infiziert, folgt daraus gemäß der DFL nur eine Einzel-Quarantäne und keine vollständige Quarantäne des ganzen Teams. Denn bei Mit- und Gegenspielern handelt es sich um Kontakt-Personen wie im täglichen Leben. Die 2-Meter-Abstands-Regelung wird im Fußballspiel sowieso außer Kraft gesetzt.

Erste Tests mit positiven Ergebnissen

Fußball ist und bleibt ein knallharter Voll-Kontakt-Sport. Trotz aller Vorbereitungen und Hygiene-Regeln könnte ein infizierter Spieler oder Betreuer ausreichen, um den gestarteten Liga-Spielbetrieb wieder zum Stoppen zu bringen. Die DFL teilte gestern mit, dass bei den 36 Clubs der ersten und zweiten Bundesliga in der ersten Testreihe 10 Personen positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Zu den Spielern wurden auch Trainerstab und Physiotherapeuten untersucht. Dabei fielen 10 von 1.724 Corona-Tests positiv aus.

Notwendigkeit des Spielbetriebs in der Gesellschaft

Es ist in der Gesellschaft der Bundesrepublik äußerst schwer zu vermitteln, warum für den Neustart der Fußball Bundesliga öffentlich so stark gekämpft und eine „Extrawurst“ dem „König Fußball“ gebraten wird. Denn Millionen Menschen allen Alters in unserem Land leiden wirtschaftlich und mental unter dieser Corona Krise – als direkt Betroffene oder wegen des stark eingeschränkten Lebens-Alltags. Sehr viele Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet oder kämpfen ums nackte Überleben. Geschweige denn die äußerst schwierigen Situationen in den Alten- und Pflegeheimen. In diesem globalen Zusammenhang spielt eben der Fußball eine untergeordnete Rolle. Insofern plädiert der Kommentator für einen Neustart der Fußball Bundesliga sowie der dritten Liga ab September 2020. Alles andere wäre ein völlig fatales Signal für unsere solidarische Gesellschaft.