Handball WM 2021: ÖHB-Teamchef Herbert Müller im Interview

Herbert Müller - Handball Österreich Teamchef - Copyright: ÖHB-Agentur DIENER-Eva Manhart
Herbert Müller – Handball Österreich Teamchef – Copyright: ÖHB-Agentur DIENER-Eva Manhart

Handball WM 2021 Play-offs: Österreich vs. Polen.

In der WM Qualifikation Phase 1 wurde Österreichs Handball Frauen Nationalteam im März seiner Favoritenrolle mehr als gerecht, setzte sich trotz zahlreicher Ausfälle von Leistungsträgerinnen wie Sonja Frey, Patricia Kovacs oder Beate Scheffknecht, gegen den Kosovo und Italien souverän durch.

Am 22. März bekam man für das nun anstehende WM-Play-off Polen zugelost. Im ÖHB-Interview sprach Herbert Müller darüber, wie man gegen diesen Gegner überraschen möchte, wie wichtig die Rückkehr von Patricia Kovacs und Sonja Frey ist, wie sehr der Ausfall von Beate Scheffknecht schmerzt und was sein erster Gedanke war, als Polen gezogen wurde.

14.04.2021 – PM ÖHB / ZEPPI / SPORT4FINAL Group / Frank Zepp:

Handball WM 2021 Play-offs: Polen konnte sich in den vergangenen Jahren immer wieder erfolgreich für Großereignisse qualifizieren, geht auch als Favorit in das WM Play-off. Wie will man gegen diesen Gegner überraschen?

Teamchef Herbert Müller: „Ich denke, wir sind in einer sehr wohltuenden Außenseiter-Rolle. Polen ist im Vergleich zu unseren letzten Gegnern im WM Play-off (Anm.: 2017 Rumänien und 2019 Ungarn) ein Gegner bei dem du weißt, du rennst nicht gegen eine Wand und hast gleich eine blutige Stirn, sondern man hat das Gefühl, man kann, bei entsprechender Leistung, durch diese Wand durchkommen. Und genau das muss meine Mannschaft begreifen, das müssen wir uns gemeinsam diese Woche erarbeiten, dass wir uns so einbringen, damit wir die Chance im richtigen Moment auch nutzen.“

Bei der Handball WM 2013 und 2015 schaffte es Polen auf den vierten Platz. Bei der Women´s EHF EURO 2020 kam man allerdings nicht über Platz 14 hinaus. Was weiß man über Polen?

Herbert Müller: „Man darf nicht vergessen, dass bei der letzten EURO, bei der Polen 14. wurde, entscheidende Spielerinnen gefehlt haben, die jetzt zurück gekommen sind. In erster Linie müssen wir extrem auf Karolina Kudlacz-Gloc achten. Für mich seit Jahren eine absolute Weltklasse-Spielerin, die allein ein Spiel entscheiden kann. Sie ist so eine Unterschieds-Spielerin. Dann kam mit Kinga Achruk nochmals eine zweifache Champions League Siegerin zurück ins Team. Auch da muss man entsprechend aufpassen und die Mannschaft so einstellen, dass man die Kreise dieser besonderen Spielerinnen einengt. Polen ist körperlich sehr stark, verfügt über zwei Kreisläuferinnen, die man alleine gar nicht verteidigen kann. Da ist doppeln gefragt, da ist Kompaktheit gefragt und Teamgeist an sich.“

Wie wichtig ist es, dass Patricia Kovacs und Sonja Frey wieder zur Verfügung stehen, die beide in der Handball WM Qualifikation Phase 1 gefehlt hatten?

Herbert Müller: „Wir wissen, dass wir nicht über einen so breiten Kader verfügen, dass wir Ausfälle einfach so weg stecken können. Patricia Kovacs ist für mich eine absolute Top-Spielerin, die für uns nicht zu ersetzen ist. Von da her freue ich mich riesig, dass sie wieder da ist. Sie ist flexibel, vielseitig, kann überall spielen und ich mag ihre Spielintelligenz. Das ist mir ganz, ganz wichtig. Sonja ist Dreh- und Angelpunkt unseres Spiels. Sie ist dynamisch, schnell und treibende Kraft im Angriffsspiel. Eine Unterschieds-Spielerin. An einem guten Tag kann sie diese besondere Qualität rein bringen. In der WM Qualifikation Phase 1 konnten wir ihren Ausfall weg stecken, jetzt ist es Lebensessentiell, dass sie dabei ist.“

Auf Beate Scheffknecht muss man nach wie vor verzichten. Wie sehr schmerzt ihr Ausfall?

Herbert Müller: „Mit Beate fehlt uns eine Spielerin, die uns ganz leichte Tore aus dem Rückraum bringt. Sie war schon immer ein Garant in Situationen, in denen nichts mehr ging. Dann hat sie einen einfachen Wurf von zehn Metern genommen. Aber ich glaube, dass gerade unsere jungen Spielerinnen da in der Lage sind, rein zu schnuppern und rein zu wachsen. Man sagt ja immer: Wenn eine Türe zu geht, öffnet sich eine andere. Und genau in diese Presche müssen die jungen Spielerinnen jetzt rein marschieren.“

Ist Johanna Reichert so eine Spielerin, die diese Lücke auffüllen kann?

Herbert Müller: „Besser kann man den Finger nicht heben, als sie es in der WM Qualifikation Phase 1 getan hat. Wenn man in diesen beiden Spielen 19 Tore wirft, dann ist man bereit. Und ich denke, sie ist eine Spielerin, die durch ihre Dynamik, ihren harten Wurf, aber auch durch ihre Unbeschwertheit besticht. Und da hoffe ich nicht nur auf sie, auch auf bspw. eine Kati Pandza, Klara Schlegel und andere, die einfach in der Lage sind, wenn sie diese Unbeschwertheit, diese Lockerheit, in ein so wichtiges Spiel mitnehmen können, selbst viel Entscheidendes beizutragen.“

Was war eigentlich dein erster Gedanke nach der Auslosung?

Herbert Müller: „Pure Erleichterung.“

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